Braucht man heute noch ein Anschreiben?
Brauchen Sie heute noch ein Anschreiben?
Ein Anschreiben kostet Zeit. Gleichzeitig steht in manchen Stellenanzeigen, dass es freiwillig ist, während andere ausdrücklich danach fragen. Die kurze Antwort lautet: Nicht für jede Bewerbung ist ein Anschreiben nötig. Aber wenn es verlangt wird oder Sie damit eine wichtige Frage beantworten können, kann es Ihre Bewerbung überzeugender machen.
Entscheidend ist nicht, möglichst viele Seiten einzureichen. Entscheidend ist, die Unterlagen passend zur Stelle zu wählen und klar zu zeigen, warum Sie sich bewerben. Hier erfahren Sie, wann ein Anschreiben wichtig ist, wann Sie es weglassen können und wie Sie eines schreiben, das tatsächlich gelesen wird.
Wann ein Anschreiben wichtig ist
Wenn die Stellenanzeige ein Anschreiben verlangt, sollten Sie es beilegen. Eine fehlende Unterlage kann den Eindruck erwecken, dass Sie die Anforderungen nicht sorgfältig gelesen haben. Auch wenn ein Bewerbungsformular ein Anschreiben-Feld enthält, sollten Sie es nicht leer lassen, sofern Sie sich für die Stelle interessieren.
Ein Anschreiben kann außerdem besonders nützlich sein, wenn Ihr Lebenslauf nicht von selbst erklärt, warum Sie zur Stelle passen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie:
- in ein neues Berufsfeld wechseln,
- nach einer längeren Pause wieder einsteigen,
- sich auf eine Stelle mit ungewöhnlichen Anforderungen bewerben,
- relevante Erfahrung in einem anderen Zusammenhang gesammelt haben,
- oder erklären möchten, warum Sie gerade diese Aufgabe interessiert.
Nehmen wir an, Sie bewerben sich auf eine Stelle im Kundensupport, haben aber bisher in der Gastronomie gearbeitet. Der Lebenslauf zeigt vielleicht nicht sofort, wie Ihre Erfahrung passt. Im Anschreiben können Sie den Zusammenhang deutlich machen:
> „In meiner bisherigen Arbeit habe ich täglich unterschiedliche Anliegen aufgenommen, auch in stressigen Situationen ruhig reagiert und praktikable Lösungen gefunden. Diese Erfahrung möchte ich im Kundensupport einsetzen.“
Das Anschreiben ersetzt keine passenden Qualifikationen. Es hilft aber, sie für die konkrete Stelle verständlich zu machen.
Wann Sie es weglassen können
Wenn in der Anzeige ausdrücklich steht, dass kein Anschreiben erforderlich ist, müssen Sie meist keines verfassen. Das gilt besonders dann, wenn das Bewerbungsportal nur nach Lebenslauf und Antworten auf konkrete Fragen fragt. Ein zusätzliches, allgemeines Anschreiben kann in diesem Fall überflüssig sein.
Auch bei einer Bewerbung über eine Plattform mit kurzen Freitextfeldern kann eine knappe, gezielte Nachricht genügen. Wenn zum Beispiel gefragt wird, warum Sie sich für die Stelle interessieren, beantworten Sie genau diese Frage, statt dieselben Informationen zusätzlich in einem langen Dokument zu wiederholen.
Wichtig ist, zwischen „freiwillig“ und „nicht gewünscht“ zu unterscheiden. Ist das Anschreiben freiwillig, dürfen Sie selbst entscheiden. Wenn Sie einen besonderen Punkt erklären oder eine klare Verbindung zur Stelle herstellen können, lohnt es sich möglicherweise. Haben Sie dagegen nichts Ergänzendes zu sagen und würden nur Ihren Lebenslauf in ganzen Sätzen wiederholen, ist ein Anschreiben kaum hilfreich.
Wenn unklar ist, ob eines erwartet wird, lesen Sie die Anzeige und die Hinweise im Bewerbungsportal genau. Folgen Sie den angegebenen Vorgaben. Reichen Sie nicht vorsorglich zusätzliche Dateien ein, wenn das Formular nur bestimmte Unterlagen zulässt.
Was ein gutes Anschreiben leisten soll
Ein gutes Anschreiben beantwortet drei Fragen:
- Auf welche Stelle bewerben Sie sich?
- Welche passende Erfahrung oder Fähigkeit bringen Sie mit?
- Warum interessiert Sie diese konkrete Aufgabe?
Es sollte außerdem einen Punkt klären, den der Lebenslauf allein nicht ausreichend erklärt. Das kann ein Wechsel, eine Lücke, ein ungewöhnlicher Werdegang oder die Verbindung zwischen einer früheren Tätigkeit und der neuen Rolle sein.
Vermeiden Sie allgemeine Aussagen wie „Ich bin motiviert, teamfähig und belastbar“, wenn Sie sie nicht mit einem Beispiel verbinden. Stattdessen könnten Sie schreiben:
> „Während meiner Ausbildung habe ich die wöchentlichen Bestellungen für ein kleines Team koordiniert. Dabei habe ich gelernt, Aufgaben nach Dringlichkeit zu ordnen und Rückfragen früh zu klären.“
Das ist konkreter, weil die Leserin oder der Leser eine Vorstellung davon bekommt, was Sie tatsächlich getan haben. Wählen Sie jedoch nur Beispiele, die für die Stelle relevant sind. Eine kurze Bewerbung muss nicht Ihre gesamte Berufsgeschichte erzählen.
So schreiben Sie ein Anschreiben, das gelesen wird
Halten Sie den Text kurz und übersichtlich. In vielen Fällen reicht eine Seite. Teilen Sie ihn in wenige Absätze auf, damit die wichtigsten Informationen schnell erkennbar sind.
Beginnen Sie direkt
Nennen Sie die Stelle und führen Sie einen konkreten Grund an, warum Sie sich bewerben. Vermeiden Sie lange Einleitungen und leere Floskeln.
Weniger aussagekräftig:
> „Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen und möchte mich hiermit bewerben.“
Klarer:
> „Ich bewerbe mich auf die Stelle als Teamassistenz, weil ich Erfahrung in der Terminorganisation und in der Vorbereitung von Besprechungen mitbringe.“
Der zweite Einstieg sagt sofort, worum es geht und welche Verbindung Sie zur Aufgabe sehen.
Wählen Sie ein passendes Beispiel
Beschreiben Sie eine Erfahrung, die eine Anforderung aus der Anzeige belegt. Wenn dort zum Beispiel steht, dass selbstständiges Arbeiten wichtig ist, nennen Sie eine konkrete Aufgabe, die Sie eigenständig übernommen haben.
> „In meiner letzten Tätigkeit habe ich Anfragen sortiert, Rückmeldungen koordiniert und offene Punkte bis zur Erledigung nachverfolgt.“
Passen Sie das Beispiel an die tatsächliche Stelle an. Ein Anschreiben für eine technische Rolle sollte nicht dieselben Schwerpunkte setzen wie eines für eine Tätigkeit im Verkauf oder in der Verwaltung.
Erklären Sie Ihre Motivation konkret
Schreiben Sie nicht nur, dass die Stelle „spannend“ klingt. Benennen Sie, was Sie an den Aufgaben reizt. Sie könnten etwa erwähnen, dass Sie gern mit Kundinnen und Kunden arbeiten, Abläufe verbessern oder ein bestimmtes Fachgebiet vertiefen möchten. Bleiben Sie bei dem, was wirklich auf Sie zutrifft, und erfinden Sie keine Begeisterung für Aufgaben, die Ihnen nicht liegen.
Prüfen Sie, ob jeder Satz etwas beiträgt
Streichen Sie Wiederholungen aus dem Lebenslauf, allgemeine Eigenschaftslisten und lange Beschreibungen Ihrer bisherigen Arbeitgeber. Fragen Sie bei jedem Absatz: Hilft diese Information dabei, meine Eignung oder Motivation zu verstehen? Wenn nicht, kann sie wahrscheinlich weg.
Lesen Sie den Text anschließend sorgfältig durch. Prüfen Sie Namen der Ansprechperson, Stellenbezeichnung, Rechtschreibung und Dateinamen. Ein einfaches Versäumnis, etwa der Name einer anderen Organisation im Text, kann den Eindruck erwecken, dass Sie eine Vorlage unverändert wiederverwenden.
Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten
Ein Anschreiben wird nicht automatisch besser, wenn es länger ist. Zu viele Absätze können die Kernaussage verdecken. Ebenso wenig hilft es, den Lebenslauf Satz für Satz nachzuerzählen.
Achten Sie außerdem auf folgende Punkte:
- Keine Standardtexte ohne Bezug: Ersetzen Sie allgemeine Aussagen durch passende Beispiele.
- Keine unbelegten Behauptungen: Erklären Sie, woran man Ihre Fähigkeiten erkennen kann.
- Keine unnötige Rechtfertigung: Wenn Sie einen ungewöhnlichen Werdegang haben, ordnen Sie ihn sachlich ein, statt sich dafür zu entschuldigen.
- Keine übertriebene Förmlichkeit: Ein professioneller, natürlicher Ton ist meist klarer als komplizierte Formulierungen.
- Keine Behauptungen, die Sie nicht belegen können: Das Gespräch kann an jedes Beispiel im Anschreiben anknüpfen.
Fazit: Entscheiden Sie nach der Stelle
Ein Anschreiben ist heute nicht bei jeder Bewerbung nötig. Es ist wichtig, wenn es verlangt wird, und kann hilfreich sein, wenn es Ihren Lebenslauf ergänzt oder Ihre Passung zur Stelle erklärt. Wenn es freiwillig ist und nichts Neues beiträgt, können Sie es weglassen.
Ihre nächsten Schritte
- Prüfen Sie die Anzeige und die Vorgaben im Bewerbungsportal.
- Entscheiden Sie, ob Sie etwas erklären oder hervorheben müssen, das im Lebenslauf nicht deutlich wird.
- Schreiben Sie ein kurzes, auf die Stelle zugeschnittenes Anschreiben mit einem konkreten Beispiel.
- Lesen Sie es vor dem Absenden auf Klarheit, Fehler und unnötige Wiederholungen durch.
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